Die schrecklichsten Monster aller Zeiten

Wenn die Namen Dracula oder Frankenstein fallen, erscheinen direkt Bilder des Grauens vor den Augen. Geprägt wurden diese Bilder vor allem durch die Horror-Klassiker von Universal. Das Studio gab nicht nur zahlreichen Schreckgestalten ihr Gesicht, es erschuf mit seinen Universal Monsters auch das allererste übergreifende Film-Universum.

Das Grauen wird sichtbar

Das Thema Horror wurde in Filmen sehr früh aufgenommen. Gerade für Unheimliches und Mystisches bot sich das neue Medium an. Die ersten Horrorfilme wurden noch als „Spook tales“, also Spukgeschichten, bezeichnet. Der älteste Spuk-Film, über den es noch Aufzeichnungen gibt, ist LE MANOIR DU DIABLE von Regisseur George Méliès aus dem Jahr 1896. Die finsteren Gestalten des Films wirken heute wenig angsteinflößend, waren damals aber umso gruseliger, da man so etwas vorher noch nie zu sehen bekam. So war hier z. B. mittels Stop-Motion-Technik (die für das Medium Film wegweisend war) zum ersten Mal die Verwandlung von einer Fledermaus in eine menschliche Gestalt zu sehen. Ein Motiv, das aus Vampirfilmen heute nicht mehr wegzudenken ist.

Die Stummfilmzeit brachte einige Klassiker des Genres wie Paul Wegeners GOLEM (1915), Robert Wienes DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920) oder natürlich Friedrich Wilhelm Murnaus unautorisierte Dracula-Adaption NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS (1922) hervor. Dieser ist der bis heute berühmteste Vertreter des frühen Horror-Genres.

Auch Universal brachte bereits vor dem Tonfilm zwei Genre-prägende Filme auf die Leinwand, die beide literarische Klassiker zum Vorbild hatten: Wallace Worsleys DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME (1923) und Rupert Julians DAS PHANTOM DER OPER (1925). Mit einer zur damaligen Zeit unüblichen Vorab-Berichterstattung und aufwändigen Sets setzten beide Filme den Standard für spätere Genre-Vertreter. Vor allem aber das Make-Up war herausragend. Der bucklige Quasimodo und das Phantom mit der Fratze waren wahre Horror-Gestalten und sind noch heute Ikonen des Genres.

Schreckensschreie klingen durch die Nacht

In den 30er Jahren erlebte das Horror-Genre seinen ersten großen Boom. Durch die Einführung des Tonfilms war der Horror nicht mehr bloß sichtbar, sondern auch zu hören. Brüllende Monster, schreiende Opfer und die dazu passende düstere Musik gaben dem Medium eine weitere Dimension, die das Gruselerlebnis noch lebendiger machte.

Trotz hoher Ausgaben für Spezialeffekte spielten Horrorfilme enorme Gewinne ein. Das Publikum zog in Scharen in die Lichtspielhäuser, um Monster und Kreaturen zu sehen, die sie bisher nur aus der Literatur oder ihrer eigenen Fantasie kannten.

Quelle: Blu-ray Universal Monsters Collection, Universal Pictures.

In den Fängen des Vampir-Grafen

Eine dieser Figuren war der Vampir-Graf Dracula. Zwar gab es mit Murnaus NOSFERATU bereits eine Adaption des Schauerroman-Klassikers. Doch aufgrund fehlender Filmrechte bewegte sich Murnau so weit wie nötig von der Vorlage weg. Besonders sein Grad Orlok hatte optisch wenig mit dem Roman-Vampir gemeinsam, war aber umso schauriger.

Universal dagegen brachte 1931 mit Tod Brownings DRACULA die erste offizielle Adaption des Stoffes in die Kinos. Diese orientiere sich aber nicht nur an Bram Stokers Roman, sondern auch stark an dem Bühnenstück von Hamilton Deane und John L. Balderston. Wie im Stück auch übernahm Bela Lugosi die Titelrolle.

Lugosi wurde durch DRACULA zum Star und prägte das Bild des Grafen, das wir bis heute haben: Ein stattlicher Mann mit blasser Haut und dunklen, zurückgekämmten Haaren, der Smoking und Umhang trägt. Auch spätere Verfilmungen bezogen sich immer wieder auf Lugosi zurück.

Während Graf Orlok aus NOSFERATU bereits äußerlich das Publikum zum Schaudern bringt, ist der Horror bei Lugosis Dracula subtiler. Dieser versetzt uns allein durch seinen durchdringenden Blick und seine Gestik in Gänsehaut-Stimmung. Wenn er sich schleichend seinen Opfern nähert, spüren wir regelrecht die Bedrohung. Wie seine Opfer können auch wir uns seinen Fängen nicht entziehen.

DRACULA lebt aber auch von seiner düsteren Atmosphäre. Bereits die Kutschfahrt an den Hängen der Karpaten verheißt nichts Gutes. Und in Draculas gespenstischem Schloss möchten wir sicherlich keine einzige Nacht verbringen. Auch die nebelbehangenen Straßen Londons erscheinen wie aus einem Schauer-Roman entsprungen.

Der Film war so erfolgreich, dass Universal eine ganze Serie verschiedener Horror-Filme ins Kino brachte. Zu DRACULA selbst entstanden mehrere Fortsetzungen, die allerdings allesamt nicht mehr an Brownings Werk heranreichten.

Der Mensch erschafft seine Monster selbst

Im selben Jahr erschien Universals zweiter Horrorfilm FRANKENSTEIN von Regisseur James Whale. Wie bereits DRACULA richtete sich der Schocker nicht nur nach Mary Shelleys berühmten Schauerroman sondern auch nach einer Bühnenadaption des Stoffes. Während die Rolle des Dr. Frankenstein von Colin Clive gespielt wurde, stellte Boris Karloff das berühmte Monster dar.

Das groteske Aussehen des Monsters setzte das Publikum in Angst und Schrecken: Eine hünenhafte Gestalt mit kantigem Kopf, angenähter Schädeldecke und Elektroden im Hals. Dieses Bild des Monsters hat sich so auf die Menschen eingeprägt, dass der Name Frankenstein mittlerweile fälschlicherweise synonym für das Monster steht.

Dabei geht der Film ohnehin der Frage nach, wer das eigentliche Monster ist. Frankensteins Schöpfung oder der Mensch? Gerade Dr. Frankenstein wirkt wie besessen, als er seine Kreatur irren Lachen unter donnerndem Getöse zum Leben erweckt. Eine Szene, die auch heutige Zuschauer noch immer in Gänsehaut versetzt. Frankenstein prägte berühmte Horror-Motiv des Mad Scientist wie kein anderer Film.

Quelle: Blu-ray Universal Monsters Collection, Universal Pictures.

Doch nicht nur die Charaktere lehren uns das Fürchten. FRANKENSTEIN nutzt das Medium Tonfilm gekonnt aus. Schrille Musik und der Klang von Gewittern verstärken die unheimliche Stimmung, die man beim Zuschauen ohnehin schon hat. Dazu spielt das Geschehen wieder in schauerlichen, zerfallenen Gemäuern. Das alles machte aus Whales Adaption den perfekten Gruselschocker.

Der Wahnsinn geht weiter

Ebenso wie DRACULA war FRANKENSTEIN ein Riesenerfolg für Universal und zog mehrere Fortsetzungen nach sich. Die herausragendste davon ist FRANKENSTEINS BRAUT aus dem Jahr 1935, bei dem ebenfalls James Whale Regie führte.

Die Handlung setzt direkt nach FRANKENSTEIN ein und zeigt, dass das Monster das Filmende doch überlebt hatte. Dieses Motiv, das auch bei den Fortsetzungen zu DRACULA Verwendung fand, wurde besonders in späteren Slasher-Filmen angewandt.

Elsa Lanchester spielte die neu erschaffene Braut des Monsters. Auch bei der Braut war das Make-Up und besonders die Frisur (wildes nach oben frisiertes schwarzes Haar mit jeweils einer zackigen grauen Strähne an der Seite) so ungewöhnlich und herausragend, dass ihr Aussehen in späteren Filmen immer wieder nachgeahmt oder parodiert wurde.

 

Quelle: Blu-ray Universal Monsters Collection, Universal Pictures.

FRANKENSTEINS BRAUT gilt noch heute als einer der besten Filme aus Universals Classic Monster-Franchise. Das liegt vor allem am großartigen Spiel der Akteure und der durchdachten Handlung, aber wieder einmal vor allem an dem starken Grusel-Faktor des Films.

Die Verschiedenen Gesichter des Horrors

Nicht nur Dracula und Frankensteins Monster lehrten das Publikum das Fürchten. Die beiden Gruselgestalten waren zwar die großen Aushängeschilder von Universal. Dennoch gab es noch zahlreiche weitere unheimliche Figuren, zu denen das Studio verschiedene Filme herausbrachte.

DIE MUMIE (1932) von Karl Freund mit FRANKENSTEIN-Star Boris Karloff in der Hauptrolle, DER UNSICHTBARE (1933) von FRANKENSTEIN-Regisseur James Whale oder DER WOLFSMENSCH (1941) von George Waggner gehörten ebenfalls zu den wichtigsten Universal Monsters-Filmen. Sie fanden ähnlich großen Anklang beim Publikum wie DRACULA und FRANKENSTEIN und sind bis heute absolute Ikonen des Horror-Genres.

Quelle: Blu-ray Universal Monsters Collection, Universal Pictures.

Die Monster treffen aufeinander

Mitte der 1940er Jahre hatte das Interesse an den Universal Monsters größtenteils abgenommen. Also entschied sich das Studio, seine Monster in gemeinsamen Filmen aufeinander losgehen zu lassen. FRANKENSTEINS HAUS war 1944 die erste Monster-Zusammenkunft und bildete den Startschuss für das allererste Film-Universum. Der Film von Regisseur Erle C. Kenton vereinte Dracula, Frankensteins Monster und den Wolfsmenschen erstmals auf der Leinwand.

Leider blieb vom einstigen Horror der Figuren mittlerweile nicht mehr viel übrig und der Film und seine Nachfolger hatten eher parodistische Züge. Ganz albern wurde es schließlich ab dem Crossover ABBOTT UND COSTELLO TREFFEN FRANKENSTEIN (1948). In mehreren Filmen mit dem Komiker-Duo Bud Abbott (Chick Young) und Lou Costello (Wilbur Gray) wurden die kultigen Grusel-Filme des Studios persifliert, was einmal mehr ein bedeutender Erfolg für Universal wurde. Für die Monster als Schreckgestalten waren diese Filme allerdings der finale Todesstoß.

Die Schöpfer des Horrors

Das Studio Universal war maßgeblich für den ersten großen Horror-Boom verantwortlich. Die Filme des Studios sind heutzutage absolute Klassiker und bringen das Publikum noch immer zum Schaudern.
Durch Universals Werke waren Schreckgestalten wie Graf Dracula oder Frankensteins Monster nicht mehr bloße literarische Figuren aus der Schauer- und Gruselliteratur. Durch Universals Horror-Filmen nahmen sie Gestalt an. Wer sich heute diese Charaktere vorstellt, hat zwangsläufig ein Bild vor Augen, das entweder jenen Filmen entstammt oder stark von ihnen beeinflusst ist. Daher gilt Universal als Erfinder des Horrorfilm-Genres.

Quelle Header-Bild: Blu-ray Universal Monsters Collection, Universal Pictures.