Generationenübergreifende Magie

Fast jede heutige Generation ist mit ihnen aufgewachsen: Animationsfilme. Während die etwas älteren unter uns sich vielleicht noch an stumme Zeichentrick-Cartoons erinnern, sind die Kleinen regelrecht verwöhnt von den technischen Meisterwerken der modernen Computeranimation.

Animationen hatten ihren Anfang schon lange, bevor man sich so etwas wie Filme oder einen Fernseher auch nur vorstellen konnte. Letztendlich bedeutet Animation nicht viel anderes als etwas Lebloses zum Leben zu erwecken. Verschiedenste Techniken, angefangen bei den sequentiellen Höhlenmalereien der Steinzeitmenschen, entstanden im Laufe der Zeit. Wir alle kennen das Daumenkino oder das Phenakistiskop, eine Scheibe mit aufgemalten Bewegungsabläufen, die beim Drehen eine Bewegung darstellt. Analoge Mini-Animationsfilme eben. Die Erfindung der Fotografie führte dazu, dass nun auch aufeinanderfolgenden Aufnahmen zu dem verbunden werden konnten, was wir als Film bezeichnen würden.

Erste Anfänge

1914 wurde einer der ersten Animationsfilme aus handgezeichneten Bildern entwickelt. Der Film hieß Gertie the Dinosaur und war eine Mischung aus Bewegtbildern und Text. Gertie wurde von Winsor McCay im Jahr 1914 erschaffen. Wenn wir uns den Film heute ansehen, wird er uns kaum beeindrucken. Aber im Jahr 1914 war dieses kurze Filmchen ein wahres technisches Meisterwerk. Der Ton spielte, wie in allen damaligen Filmen, noch keine Rolle.

Quelle: YouTube

Der erste Animationsfilm in Spielfilmlänge soll eine südamerikanische Produktion namens El Apóstol gewesen sein. Leider ging das Werk bei einem Feuer verloren und es wird immer ein Geheimnis bleiben, wie genau dieser Film aussah.

Der Beginn einer Ära

Jetzt wird es langsam Zeit für einen Mann namens Walter Disney, ins Geschehen zu treten. Auch er musste erst einmal klein anfangen und sogar die ein oder andere Niederlage einstecken. Walt kam mit der Absicht, ein erfolgreicher Animator zu werden, nach Kalifornien. Er schaffte es einige seiner Cartoons an einen Distributor zu verkaufen. Kurz darauf musste er jedoch feststellen, dass das Kleingedruckte im Vertrag wichtiger ist, als man denkt. Die Rechte an Walt Disneys Cartoon-Reihe Oswald the lucky Rabbit hatte er ohne es zu wissen an den Distributor überschrieben. Damit hatte er sein Ass verspielt.

Quelle: YouTube

Kurze Zeit später schaffte er es, ein eigenes kleines Studio zu gründen. Dieses Studio in Los Angeles trug den Namen Disney Bros. Studios und wurde von Walt zusammen mit seinem Bruder geführt. Das war der Geburtsort des wohl bekanntesten Animationscharakters aller Zeiten: Mickey Mouse. Nicht sehr bekannt: Walt Disney hat Mickey Mouse nicht selbst designet. Sein Animator Ub Iwerks war größtenteils für die Entstehung dieser legendären Maus verantwortlich. Nachdem die ersten Tonversionen der Mickey Mouse Cartoons verkauft wurden, nahm die Geschichte ihren Lauf und Disney, zusammen mit seiner Maus, wurde zur Legende.

Weitere Cartoon-Reihen wie die Silly-Symphonies brachten dem Unternehmen mehr und mehr Erfolg ein. Sogar ein Oscar für den weltersten Animationsfilm in Vollfarbe wurde dem Unternehmen verliehen. So wurden sie so nun auch technisch zu Pionieren in der Animationsfilm-Branche.

In den Folgejahren waren es kurze Cartoons, die die Animationsfilme am Leben erhielten. Auch die Walt Disney Studios verdankten ihren Erfolg lange Zeit den kurzen Filmen. Diese kamen zwar sehr gut an, machten die Firma aber nicht reich. Die Technik des Zeichentricks machte es zu einem sehr langen und schwierigen Prozess, einen abendfüllenden, vollständig animierten Film zu erschaffen.

Prinzessinnen-Traum in Spielfilmlänge

Das sollte sich im Jahr 1934 ändern. Das Geschäft in den Kinos war sehr erfolgreich, doch was es noch nie gegeben hatte, war ein Kinofilm, der vollständig animiert wurde. Schneewittchen und die Sieben Zwerge aus dem Hause Disney war der erste Film, der das schaffte. Die Produktion des Filmes dauerte drei Jahre, von Walts Idee 1934 bis zu Veröffentlichung 1937, und kostete 1.500.000 $. Bis zu 750 Künstler arbeiteten an Schneewittchen und die Sieben Zwerge. Das Zeichentrick-Verfahren war eben sehr viel Arbeit. Doch am Ende zeigte sich: der Aufwand hatte sich gelohnt. Schneewittchen war zu diesem Zeitpunkt einer der lukrativsten Filme aller Zeiten. Walt Disney hatte all den Skeptikern beweisen können, dass ein gut gemachter Animationsfilm die Massen begeistern konnte.

Nichts davon hätte ohne die Leidenschaft, die Disney für sein Handwerk empfand, passieren können. Schneewittchen und die Sieben Zwerge entstand nicht nur aus finanziellen Beweggründen. Auch die technische Überlegenheit des Animationsfilms, die die Darstellung der Zwerge ermöglichte, war ein wichtiger Faktor. Vor allem aber trieb Walt Disneys andauerndes Streben nach Mehr ihn dazu, sich an diesen Film zu wagen. Ohne seine Begeisterung und Motivation, die er stets an seine Mitarbeiter weitergab, wäre das Unternehmen nicht das, was es heute ist.

Quelle: YouTube
Ein harter Weg

Während des zweiten Weltkrieges beschränkte sich die Animationsfilmproduktion größtenteils auf Kriegspropaganda und damit auf staatlich geförderte, kurze Cartoons. Auch Walt Disney lieh seine Charaktere für diesen Zweck.

Trotzdem verführte der Erfolg von Schneewittchen Walt dazu, weitere Spielfilme zu produzieren. So entstanden im Jahr 1940 die Klassiker Pinocchio und auch Fantasia. Auch Dumbo und Bambi liefen während des Krieges in den Kinos. Obwohl diese Filme heute mit zu den bekanntesten Werken von Disney gehören, brachten sie dem Studio nicht viel Geld ein. Die wirtschaftliche Situation im internationalen Markt war einfach zu schwierig.

Erst im Jahr 1950 kam die Hoffnung auf erfolgreiche Produktionen zurück. Filme wie Cinderella wurden produziert und schafften es die Massen weltweit zu begeistern. Von da an war Disney der Name, den man mit Animationsfilmen verband. Im westlichen Raum gab es zu diesem Zeitpunkt auch kein Studio von vergleichbarer Bedeutung.

Die Vorherrschaft Disneys

Bis in die neunziger Jahre änderte sich an der Situation nicht viel. Die Filme wurden von vielen Künstlern handgezeichnet und die Walt Disney Studios schenkten der Welt auch nach dem Tod ihres Schöpfers viele wunderbare Klassiker, wie Arielle die Meerjungfrau, Die Schöne und das Biest oder Der König der Löwen.

Aber schon damals stachen die Disney-Filme durch das heraus, was sie bis heute so besonders macht: Sie sind nicht nur unterhaltsam, sondern vermitteln auch wichtige moralische Werte. Welches Mädchen wollte nicht so selbstlos und klug sein wie Belle? Welches Kind wollte nicht so tapfer sein wie Simba? All das gibt diesen Filmen einen unvergleichlichen Stellenwert in der Unterhaltung.

Eine neue Ära

Doch dann kam das Jahr 1995 und mit ihm eine Weltneuheit, die die Animationsfilmbranche für immer verändert hat. Toy Story, der allererste vollständig computeranimierte Film, kam in die Kinos. Wenig überraschend steckten die Walt Disney Studios auch hinter dieser Produktion. Doch trotzdem stellte sich durch Toy Story auch eine neue Größe im Geschäft vor: Die Pixar Animation Studios. Pixar bereitete den Weg für zuvor noch nie gesehene Techniken der Computeranimation. Durch diese arbeiteten die Künstler nun nicht mehr mit Papier und Stift, sondern mit Bildschirmen und Mäusen. Der revolutionäre Regisseur John Lasseter, einer der Mitbegründer von Pixar, schaffte es eine Welt, die zuvor nur in seinem Kopf existierte, durch die Kunst der Computeranimation zum Leben zu erwecken.

Quelle: YouTube

Durch die Zusammenarbeit zwischen den Animatoren von Disney, den Computergenies von Pixar und dem talentierten Charakter-Entwickler John Lasseter, wurde Toy Story zu einem riesigen Erfolg. Der Film selbst bekam zwei Fortsetzungen und natürlich folgten weitere Kollaborationen zwischen Disney und Pixar, einem Team, das sich als unschlagbar erwies. Filme wie Die Monster AG, Cars, Findet Nemo oder Die Unglaublichen, haben dazu beigetragen ganze Generationen von Kindern zu prägen und langsam aber sicher die klassischen Zeichentrickfilme abzulösen.

Die Filme, die von den 2006 von Disney aufgekauften Pixar Studios produziert wurden, sind dafür bekannt, einzigartige Geschichten zu entwerfen, die den Zuschauer zum Lachen und zum Weinen bringen können (siehe die ersten fünf Minuten von Oben). Bunte Farben, tolle Grafiken und wunderschöne Bilder sind ebenfalls Teil der typischen Pixar-Ästhetik.

Quelle: YouTube
Konkurrenz in Sicht

Doch mit dem Erfolg kam auch die Konkurrenz. Andere Animationsstudios fingen an, Filme zu produzieren, die ähnlich erfolgreich waren, wie die aus dem Hause Disney und Pixar. Der mit Abstand größte Konkurrent ist bis heute DreamWorks.

DreamWorks SKG wurde vom Regisseur Steven Spielberg, dem ehemaligen Disney Animationschef Jeffrey Katzenberg und David Geffen gegründet. Die Vergangenheit Katzenbergs sagt genug über den Konkurrenzgeist aus, der schon seit der Gründung von DreamWorks ausging. Obwohl zuerst unter der Produktionsfirma nur Live-Action Filme entstanden, fing man 1998 mit der Produktion von Animationsfilmen an. In diesem Jahr erschienen gleich zwei Filme, die bewiesen, dass DreamWorks beides kann: den klassischen Zeichentrickfilm und den computeranimierten Trickfilm.

Der Prinz von Ägypten basiert auf der biblischen Geschichte von Moses und wird im klassischen Zeichentrick-Stil erzählt. Als zweites großes Studio, das Animationsfilme ins Kino bringen will, hat DreamWorks zunächst Probleme damit, seine eigene Innovationsfreude zu zeigen und die Kritiker davon zu überzeugen, dass sie nicht nur ein billiger Verschnitt von Disney oder Pixar sind.
Die fast zeitgleiche Produktion der Filme Antz (DreamWorks) und Das große Krabbeln (Disney), die thematisch sehr ähnlich waren, führte schon kurz nach der Produktion der ersten Animationsfilme zu Rivalitäten zwischen den beiden Studios.

Der Kampf um die Gunst der Zuschauer

Auch später entstanden verdächtig oft Filme, deren Ähnlichkeit unübersehbar ist, in sehr kurzen Abständen. Dies wurde oft als Zeichen dieser Rivalität gedeutet. Beispiele dafür sind Findet Nemo und Große Haie Kleine Fische, Ein Königreich für ein Lama und Der Weg nach El Dorado oder Tierisch Wild und Madagascar.

All das tat aber dem offensichtlichen Erfolg der DreamWorks Filme nichts ab. Kurz darauf schaffte das Studio es, seinen ganz eigenen Stil zu etablieren. Entgegen der klassischen Disney-Storyline über die Prinzessin und den Prinzen, setzte DreamWorks vor allem auf Humor und, wie spätestens bei den Shrek Filmen klar wurde, eine gewaltige Portion Selbstironie. Dies, zusammen mit vielen Anspielungen und Wortwitzen, die für jüngeres Publikum schwer verständlich sind, trägt im Fall von DreamWorks zu einer stärkeren Beliebtheit der Filme unter erwachsenem Publikum bei. Man könnte sogar von einer regelrechten Parodie der klassischen Disney-Erzählungen im Märchenstil sprechen.

Ein Hieb auf Disney?

Auch, wenn das Studio einige Flops hinnehmen musste, wie Der Weg nach El Dorado, machten sie sich schnell einen Namen in der Industrie. Als 2001 der Erfolgshit Shrek – Der Tollkühne Held in den Kinos startet, wird klar, welchen Erfolg dieser sarkastische Ansatz haben kann.

Diese Story über ein Monster und eine Prinzessin, die sich ineinander verlieben und letztendlich als hässliche Oger zusammen ihr Glück finden, wirft so ziemlich jedes Klischee über den Haufen. Daraus folgt: Nicht jeder Adlige ist ein Traumprinz und nicht nur schöne Wesen können ihr Happy End finden.

Dieser Umbruch war so erfolgreich, dass der Film drei Sequels bekam. Shrek sprach durch seinen breit gefächerten Humor außerdem ein sehr großes Publikum an. Der Esel brachte für die Kinder sehr viel visuelle und einfache Comedy und die vielen Wortwitze und Anspielungen sorgten dafür, dass der Film bis heute auch bei einem erwachsenen Publikum gut ankommt. Und zum ersten Mal war DreamWorks in der Lage, es Disney so richtig zu zeigen. Shrek spielte an den Kinokassen rund 490.000.000 US$ ein. Dies wurde vom zweiten Teil der Franchise mit einem Einspielergebnis von 937.000.000 US$ noch weit überboten.

Quelle: YouTube
Ein hart umkämpftes Business

In das Business der Animationsfilme steigen auch jetzt noch immer wieder neue Firmen ein, die mehr oder weniger erfolgreich weitere Kinderfilme produzieren. Dazu gehören zum Beispiel die Blue Sky Studios, die ein Ableger von 20th Century Fox sind, und mit der Ice Age Reihe aber auch Filmen wie Rio oder Epic sehr erfolgreich waren. Dazu kommt Illumination Entertainment, die Ich – Einfach Unverbesserlich produzierten und die kultigen Minions zum Leben erweckt haben.

Quelle: YouTube

Die typische Prinz – Prinzessin Geschichte bleibt aber bis heute eine Sache von Disney. Ganz viel Humor und einzigartige Charaktere, die oftmals nicht in das Klischee des typischen Märchenhelden passen, ist eher das, worauf die anderen Produktionsfirmen setzen.

Eine gewisse Rivalität zwischen den Studios wird es wohl immer geben, wie es in der Branche meistens der Fall ist. Aber neben Disney hat DreamWorks es definitiv geschafft, sich in der Welt der Animationsfilme einen Namen zu machen, den so schnell keiner mehr vergisst. Beide Studios haben ihren ganz eigenen Stil entwickelt, der verschiedene Werte repräsentiert und sich auch optisch vom jeweils anderen unterscheidet.

Ein boomendes Geschäft

Aber die Geschichte der Animationsfilme ist hier noch lange nicht vorbei. Auch heute noch, im Jahr 2017, gehören die Filme von Disney und Co. zu den einnahmestärksten Filmen des Marktes. Disneys extrem populärer Film Die Eiskönigin – Völlig unverfroren aus dem Jahr 2013 hat weltweit fast 1,3 Milliarden Dollar eingenommen und ist laut BoxOffice Mojo auf Platz neun der erfolgreichsten Filme aller Zeiten.

Quelle: YouTube

Die Technik der Computeranimation schreitet immer weiter voran. Das, was schon immer einen großen Teil der Magie von Animationsfilmen ausgemacht hat – die Möglichkeit, völlig neue Welten zu schaffen, ohne jede Grenzen – wird auf immer neue Höhen getrieben. Die Grafiken und Effekte werden immer realistischer und die Bilder immer imposanter.

Doch die Nostalgie geht nicht verloren. Zeichentrick-Klassiker wie Cinderella, Der König der Löwen oder Shrek, sind zeitlose Filme, die auch die Kinder von heute begeistern können. Mit dem Film Küss den Frosch ist Disney sogar zurück zu seinen Ursprüngen gegangen und hat im Jahr 2009 einen komplett handgezeichneten Film produziert.

Quelle: YouTube

Animationsfilme gehören zu den vielfältigsten Filmen, die es gibt. Neben den klassischen Kinderfilmen gibt es auch Filme für Erwachsene, wie zum Beispiel die schräge Komödie Sausage Party aus dem Jahr 2016. Und das Geschäft läuft gut. Jedes Jahr werden mehr Animationsfilme veröffentlicht. Disney und DreamWorks, die zu ihren Anfängen einmal alle paar Jahre einen Film veröffentlichen konnten, bringen jetzt mindestens einen Film pro Jahr ins Kino. Im Jahr 2017 werden Fans des Genres nicht enttäuscht: Disney Pixars Coco, Illuminations Ich – Einfach unverbesserlich 3, Blue Skys Ferdinand und DreamWorks The Boss Baby und Captain Underpants liefern den Beweis, dass Animationsfilme extrem lukrativ sind.

Die Zukunft sieht gut aus

Denn was gibt es nicht zu lieben? Animationsfilme sind Produkte purer Kreativität. Jedes Bild, jede Einstellung entstammt der Fantasie des Regisseurs oder der Animatoren. Obwohl das mittlerweile durch CGI auch bei live-action Filmen der Fall ist, müssen Animationsfilme sich an keine Regeln der Physik oder des Realismus halten. Charaktere können genauso aussehen, wie der Regisseur sie sich vorstellt – das Aussehen von Schauspielern spielt keine Rolle mehr.

Auch wenn es mittlerweile einige live-action Remakes von beliebten Disney Klassikern gibt, wie Cinderella oder Die Schöne und das Biest, ist das noch lange nicht das Ende der Animationsfilme – es ist eher der Anfang.

Kaum eine Disney-Prinzessin (oder Königin) hat so viel Merchandise verkauft wie Die Eiskönigin Elsa und ihre Schwester Anna. Kaum ein Ort begeistert so viele Menschen so sehr wie Disneyworld, mit all seinen Prinzessinnen und liebevoll entworfenen Fahrgeschäften. Kaum ein Wesen bringt Kinder so sehr zum Lachen wie ein Minion. Animationsfilme haben einen unersetzbaren Platz in der Welt der Filme und den Herzen der Zuschauer eingenommen. Und die Studios werden dafür sorgen, dass das auch weiterhin so bleibt.